

Eine der Frauengruppen hat sich mit Unterstützung des KAB-Diözesanverbandes ein Haus der Landfrauen gebaut, in dem die Frauen ihre Versammlungen und Bildungsveranstaltungen abhalten und gemeinschaftlich ihre Erntevorräte (Reis, Bohnen) speichern.

FIVOY ist von FIVOI abgeleitet, das ein Kürzel für "Darlehenskasse auf Gegenseitigkeit" ist: FI = fifampisamborana (Darlehen), VO = vola (Geld) I = ifampiantohana (solidarische Bürgschaft).
Fivoy ist das madagassische Wort für die Ruderstange, mit der man den Einbaum auf dem Wasser voranbringt. Die Darlehensorganisation ist der Hebel, der den Frauen erlaubt, ihre täglichen Arbeiten abzusichern und sich so ein Minimaleinkommen für ihre Familie zu verschaffen. Das Projekt ist aus den Lebensumständen, die im Arbeitermilieu der Vororte von Fianarantsoa herrschten und in denen Frauen heute immer noch leben, entstanden. Die Frauen betreiben kleine Geschäfte, um ihre Familien am Leben zu erhalten. Die Frauen müssen sich oft allein um ihre Kinder kümmern und für deren Überleben sorgen. Nach einiger Zeit haben sich auch Bäuerinnen der Organisation angeschlossen, die wegen der geringen Ernten auch um das Überleben ihrer Familien kämpften.
Das größte Problem der Frauen war, dass sie für ihre kleinen Geschäfte Geld zu Wucherzinsen von bis zu 100% ausleihen mussten. Deshalb kamen sie nie aus ihren Schulden heraus. Die Frauen benötigten unbedingt einen Kredit ohne Wucherzins. Sie spürten auch die Notwendigkeit, sich zusammenzuschließen und eine Vereinigung zu gründen.
Sie haben eine Vereinigung (FIVOY) gegründet und ihr eine Struktur gegeben; ein Vorstand (er umfasst 3 Personen), davon eine Präsidentin. Es wurden Statuten ausgearbeitet und eine Darlehenskasse eingerichtet. Schritt für Schritt hat sich diese Darlehensorganisation weiter entwickelt. Inzwischen haben sich 8 örtliche Frauenvereine der Darlehensorganisation angeschlossen. Die Darlehen werden nach einfachen aber strengen Regeln vergeben:
Bedingung für die Kreditaufnahme:
Ein Geschäftsmodell d. h. ein schlüssiges Konzept einer Einkommen schaffenden Tätigkeit, d. h. einer Gewinn abwerfenden Tätigkeit, muss nachgewiesen werden.
Das allgemeine Ziel dieser Vereinigung ist, die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen der Frauen zu verbessern. Der soziale Aufstieg der Frauen beginnt durch die Möglichkeit, das Lebensminimum ihrer Familie zu sichern und die Erziehung der Kinder verbessern. Die Lebensumstände der Familien sind sehr prekär und die sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes katastrophal, besonders als Folge der politischen Ereignisse von 2009.
Wenn es anfänglich das Ziel war, den Frauen aus der finanziellen Verlegenheit zu helfen, bringt der Aufstieg jetzt alle Aspekte des Lebens ins Spiel: Die Notwendigkeit der Information und der Bildung, damit die Frauen mit ihren Familien ihre sozialen und politischen Verpflichtungen übernehmen können. Der Mangel an Bildung ist oft ein Handicap für den sozialen und politischen Einsatz. Es ist wichtig, den Frauen die Mittel zu geben, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen können.
Daher begleitet der KAB-Diözesanverband ständig die Selbsthilfeorganisation FIVOY der madagassischen Frauen und unterstützt nachhaltig ihre Projekte.
Für ihre Einkommen schaffende Tätigkeiten können die Frauen Mikro-Kredite aus der Darlehenskasse von FIVOY erhalten, die sie nach einem Jahr zurückzahlen müssen. Hier einige Beispiele:





Die Aus- und Weiterbildung der Frauen ist ein Schwerpunkt von Suzannes Arbeit. Sie hat einen Bildungsplan ausgearbeitet, um die technischen und organisatorischen Fähigkeiten der Frauen auszubilden, aber auch ihre Allgemeinbildung (Hygiene, Ernährung, Vereinsleben, Soziales) zu heben.


Im Schulspeisungsprojekt VONJY AINA (= das Leben retten) erhalten die Kinder einer Dorfschule während der Hungermonate November bis März täglich eine warme Mahlzeit mit dem Ziel
Mit Unterstützung des KAB-Diözesanverbandes und des Kindermissionswerks wurde die Schulkantine in Betapoaka im Distrikt Fianarontsoa im Dezember 2007 eröffnet. Die Frauen von Manirihosoa, einem Verein von FIVOY, und die Schülereltern haben das Kantinengebäude gebaut und bringen ihren Anteil in Form von Lebensmitteln oder Arbeitskraft in das Projekt ein.
Jeden Tag müssen 25 kg Reis und 20 kg verschiedenes Gemüse gekocht werden.
Durch die tägliche Essensausgabe erhöhte sich die Anwesenheitsquote der Kinder um das Doppelte und alle Kinder bestanden die Abschlussprüfung.
Für 14 Euro kann ein Kind die 5 Hungermonate lang täglich eine warme Mahlzeit bekommen.





In einer zweiten Dorfschule wird ein weiteres Schulspeisungsprojekt gestartet. Die Schülereltern und die Frauen von FIVOY bauen die Schulkantine und bereiten den Beginn der Schulspeisung vor.



FIVOY unterhält in Fianarantsoa, der zweitgrößten Stadt Madagaskars, eine Geschäftsstelle, um seine Mitglieder, die in der Stadt und ihrer näheren Umgebung leben, betreuen zu können. Der KAB-Diözesanverband finanziert den Unterhalt der Geschäftsstelle und bezahlt das Gehalt der zwei Hauptamtlichen.