Archiv Soziallehre Aktuell

13.12.2013

Franziskus hat Recht

Papst Franziskus hat wieder mal für Schlagzeilen gesorgt. So titelte der Chefredakteur Wirtschaft der „Süddeutschen Zeitung“, Marc Beise, am Samstag:  „Der Papst irrt.“ Er und viele andere Kommentatoren in der deutschen Öffentlichkeit meinen, der Papst sei sehr stark von seinen südamerikanischen Erfahrungen geprägt. Und zudem Seelsorger und nicht Ökonom. Er meine nicht die deutsche Soziale Marktwirtschaft. Die sei ja grundsätzlich richtig. Es müssten nur die Exzesse zurückgedrängt werden, die in der Finanzwelt zur Krise geführt hätten. Diese habe zugegebenermaßen auch getötet. Da geben ihm viele Recht.

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Kategorie: Soziallehre aktuell
14.10.2013

Die Konzilskonstitution Gaudium et Spes

Über die Kirche in der Welt von heute, oder kurz: Pastoralkonstitution – "eine schwere Geburt"

Nur drei Monate nach seiner Amtsübernahme, als er zu einem Gottesdienst zur Eröffnung der Weltgebetsoktave für die Einheit aller Christen in St. Paul vor den Mauern war, hat Papst Johannes XXIII. in der Sakristei den 17 anwesenden Kardinälen eine Synode für das Bistum Rom und ein Allgemeines Konzil für die Weltkirche angekündigt. Die Reaktion war – eisiges Schweigen.
Seine Worte hat er später per Brief an 63 Kardinäle geschickt, 25 haben geantwortet, davon 15 nur formal den Eingang bestätigt. Drei von den 63 haben lediglich inhaltlich argumentiert – das spricht für sich!

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Kategorie: Soziallehre aktuell
13.09.2013

Werte wählen!

„Der hätte im Bundestag Auftrittsverbot … Er ist eine Lichtgestalt.“ Das sagten die kirchenkritischen Spötter Priol und Pelzig in der Sendung „Neues aus der Anstalt“ vom 27. August. Natürlich kabarettistisch: „Dann ist ja alles zu spät“. Und wen haben sie gemeint: Franziskus in Rom!

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Kategorie: Soziallehre aktuell
28.05.2013

Wissenschaft! Wer schafft Wissen? Oder: wer schafft an?

Dr. Siegfried Ecker 27.05.2013

Mehrere Anlässe lassen mich empört reagieren.
Da gab es einen einflussreichen katholischen Sozialethiker (Markus Vogt beim KAB-Bundesausschuss), der von der „Verflüssigung aller Gesellschaftsbereiche“ sprach. Das sollte wohl eine seriöse wissenschaftliche Aussage sein.
Da gab es einen renommierten Sozialphilosophen (Michael Reder bei der Mitgliederversammlung der KEB Bayern), der von der „Pluralisierung“ aller gesellschaftlichen Bereiche sprach. Und davon, dass die Wissenschaft keine Politik mache. Dazu seien Politiker da.
Da gab es einen Stadtdekan, der von einem „modernen, wissenschaftlich geprägten Weltbild“ sprach (Hubertus Förster auf der Homepage der Nürnberger Stadtkirche).
Da lese ich ein Interview mit einem der immer noch gefragten „Intellektuellen“ der SPD (Erhard Eppler in der taz). Für den gab es bei der Frage zur Agenda 2010 gar keinen Zweifel, dass ein schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm damals falsch war. Denn das schlugen ja die Gewerkschaften vor. Hatten und haben denn die keine Wissenschaftler auf ihrer Seite, Herr Oberlehrer? Das sagt er 2013, auch wenn nach 5 Jahren Krise in Europa klar ist, dass eine Politik des Sparens bei den „kleinen Leuten“ nur den wenigen Großen Vorteile bringt.

Wer nicht mit den Scheuklappen der Mehrheitsmeinung in Medien und Lehrstühlen durch die Welt geht, stellt anderes fest.
Da verflüssigt sich nicht die Gesellschaft, sondern sie wird bewusst gewollt immer stärker flexibilisiert, damit millisekundenschnell Gewinne gemacht werden. Dass diese Feststellung nicht eine theoretische Überspitzung von Einzelfällen ist, zeigt sich daran, dass Betriebsräte Vereinbarungen darüber schließen, wann die elektronischen Nachrichten aus der Firma abgerufen werden müssen/dürfen. Denn langsam schlagen auch die Krankenkassen Stress-Alarm. Oder daran, dass der Kampf um stündliche Verfügbarkeit im Handel zunimmt. Auch daran, dass Kindergärten ihre Öffnungszeiten fast durchgängig an betriebswirtschaftlichen Kriterien ausrichten müssen. Das heißt am Geldbeutel der Eltern.
Da ist nicht die Pluralisierung der Ess- und sonstiger Kultur im Alltag eines Stadtviertels mit 100 Nationalitäten entscheidend, sondern die Arbeitsmöglichkeiten, der Druck auf die Löhne, die politische Duldung der Langzeitarbeitslosigkeit und die geringeren Bildungsangebote. Das sind die Fronten in den Elendsschluchten der Großstädte.

Wenn man das Wissenschaftsgebaren der Drittmittelaufträge, der Stiftungslehrstühle und der Politikberatung genauer betrachtet, erkennt man deutlich: Es wird das geforscht, in mathematische Formeln oder hehre Begriffe gebracht und vor allem publiziert, was den Geld- und Vermögensmillionären bei uns und weltweit zu Gute kommt. Wie kann es sonst sein, dass Ergebnisse der Ökonomen des Internationalen Währungsfonds jahrelang nicht veröffentlicht werden dürfen, weil sonst klar würde, dass falsche Zahlen die Politik der Troika bestimmen und die Reichen immer zahlreicher machen. Dass falsche Ergebnisse von Professoren als Lappalie abgetan werden – Schulden mehr als 90% des BIP würden den Wohlstand gefährden – obwohl sie die „Rettungspolitik“ der Troika beherrschen? Und sie der deutsche Finanzminister immer wieder nennt.
Wie kann es sonst sein, dass 90 % der Lehrstuhlinhaber in den Wirtschaftswissenschaften in Deutschland die „Pferdeäpfeltheorie“ oder seriöser, die Theorie des „Trickle down“ vertreten: der Reichtum tröpfelt theoretisch nach unten – bleibt aber praktisch oben hängen. Es gab mal Zeiten, da haben katholische Sozialethiker von der „Option für die Armen“ gesprochen. Das braucht es wohl nicht mehr in der „großen Transformation zur Nachhaltigkeit“ – Herr Vogt? Reicht da wirklich der Hinweis auf die „Befähigungsgerechtigkeit“ sprich: wirtschaftliche Verwertbarkeit?

Den Rückblick auf die Wissenschaftlichkeit der „Tausend Jahre“ erspare ich mir. Wenn die Analyse nicht tiefer geht, als Gedenkfeiern zur Zerstörung von Gewerkschaftshäusern und Bücherverbrennungen abzuhalten, dann sind wir blind. Wenn die „Opferung“ von Millionen Menschen für die Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt als notwendig angesehen wird, dann sollten wir nicht von einer europäischen Wertegemeinschaft reden.

Die Botschaft eines Jesus von Nazareth können wir dann gleich ins Himmelreich verlagern. Ob an einen jesuitisch geprägten Franziskus in Rom viele Hoffnungen geknüpft werden können? Der forderte ja zum 1. Mai, die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft müssten "alles tun", um die Beschäftigung zu fördern. Arbeit sei ein "fundamentaler Bestandteil der Menschenwürde" und gehöre zum "Plan der Liebe Gottes". Die Hoffnung stirbt zuletzt …

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10.04.2013

Lehrmeister Europas?

Und wieder feiern wir ein Jubiläum. Vor 50 Jahren hat Papst Johannes XXIII. die Enzyklika „Pacem in terris“ veröffentlicht: Am 11. April 1963, kurz nach der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils. Dieser Gedenktag geht in der öffentlichen Meinung sicher unter. Denn schließlich muss die deutsche Öffentlichkeit ja zum Abwehrkampf gegen die „Schuldensünder“ in Europa noch mehr aufgerüstet werden. „Wir“ haben doch seit der Agenda 2010 alles richtig gemacht. Die „Anderen“ (PIGS – Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) sollten das endlich begreifen. “Pig“ heißt im englischen übrigens „Schwein“.

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08.12.2012

Begreift ihr nicht...?

Ein Infonachmittag zum Thema Nahrungsmittelspekulation: Menschen sterben weil Geldanleger Gewinne machen. Es wurde ziemlich klar, dass die Spekulation mit allem was nur geht die Ursache von Hunger und Tod ist.

Danach ein Wortgottesdienst. Natürlich dachten wir für das Evangelium an die wunderbaren Brotvermehrungen. „Gebt ihr ihnen zu essen“, das fordert uns doch heraus. Dann fiel uns aber auf, dass es danach noch eine weiterführende Stelle gibt. Dass Jesus Brot vermehrt, meint eigentlich mehr. Seine Gegner wollen spektakuläre Wunder sehen, er aber sagt es deutlich: Ihr liegt mit euren Lehren falsch. 

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26.09.2012

50 Jahre Konzil

Vor 50 Jahren begann das II. Vatikanische Konzil in Rom. Allenthalben gibt es in der katholischen Kirche Gedenkveranstaltungen vielfältigster Art. Häufig wird dabei beklagt, dass die Bremser nach dem „Öffnen der Fenster“ (Aggiornamento – Johannes XXIII.) in der Kirche wieder die Oberhand gewonnen haben. So stellt der damals für die deutsche Presse wichtigste Beobachter, der Jesuit Wolfgang Seibel fest: “Im Rückblick muss ich aber mit Bedauern sehen, dass die Wirkung dieser Ereignisse, oder besser: die Bereitschaft, die Impulse des Konzils und der Synode aufzunehmen, weiterzuentwickeln und zu vertiefen, immer geringer geworden ist. P. Karl Rahner hatte schon Recht, als er vor einem Marsch ins Ghetto warnte.“ (Jesuiten 2012/3)

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18.06.2012

Wir müssen sparen: Warum sich die Mehrheit fügt.

Die Mehrheit der Deutschen (und vielleicht einiger anderer Länder) ist davon überzeugt, dass es richtig ist, von einem großen Teil der Menschen „Opfer“ zu verlangen. Vordergründig nur von den undisziplinierten „Südländern“. Auch nach der Wahl in Griechenland.

Aber das ist nur der Vordergrund. Auch bei uns haben mehr als die Hälfte der Menschen in den letzten 20 Jahren Abstriche hingenommen. Zumindest im Vergleich mit den obersten 10 Prozent. Das gilt für die Einkommen und ebenso für die Vermögen. Belege für diese Behauptung lassen sich jede Menge finden. 

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21.05.2012

Hollande hat Recht!

„Hollande zündelt mit Euro-Bonds!“ Daneben brennt ein Euro-Schein. Das war nicht das Titelbild einer Boulevard-Zeitung, sondern das einer Frankfurter Zeitung. Der, die den Ruf hat, eher links zu sein.
„Euro-Anleihen sind denkbare Konsequenz“ schrieb der Wirtschaftswissen-schaftler und Sozialethiker P. Friedhelm Hengsbach SJ am 31.12.2010 in der Aachener Zeitung. Die Stimme dieses katholischen Wissenschaftlers ist im deutschen medialen Angriff auf den gewählten französischen Präsidenten kaum zu vernehmen. Obwohl er es auf dem Katholikentag in Mannheim ähnlich deutlich gesagt hat.

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19.03.2012

„Freiheit und Gerechtigkeit“ statt „Freiheit und Verantwortung“

Dr. Siegfried Ecker   

Freiheit und Verantwortung heißt die Melodie, die heute aus allen Medien klingt. Denn es war so ein schöner Sonntag gestern.
Wer die politische Geschichte des Wortes Verantwortung seit fast 20 Jahren im Kopf hat, kommt um ein Stirnrunzeln nicht herum. Zunächst ist das ja ein Begriff, der unabdingbar zur menschlichen Freiheit gehört. Freies Handeln ohne Bedenken der Folgen für sich und andere ist Willkür oder pure Machtausübung.

Aber der Rückblick gibt Anlass zu tieferem Nachdenken. So heißt es im § 2 des Sozialgesetzbuches II, also im Gesetz für das Arbeitslosengeld II:
Die Grundsicherung für Arbeitsuchende soll die Eigenverantwortung von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten und Personen, die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft leben, stärken und dazu beitragen, dass sie ihren Lebensunterhalt unabhängig von der Grundsicherung aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten können.

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Kategorie: Soziallehre aktuell
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