19.12.2016 FT, Seite 9

Die KAB trauert um Paul Wünsche

Der FT berichtet am 19.12.2016 auf Seite 9:

NACHRUF

Paul Wünsche ist im Alter von 94 Jahren in Gaustadt gestorben

Bamberg — In der Nacht von Freitag auf Samstag ist der langjährige frühere Landtagsabgeordnete Paul Wünsche mit 94 Jahren gestorben. Dies teilte sein Sohn Peter Wünsche der Lokalredaktion mit.

Paul Wünsche Foto: privat

Geboren wurde Paul Wünsche am 11. November 1922 in Niederschlesien in einer kinderreichen Arbeiterfamilie. Er diente als Soldat im Zweiten Weltkrieg und geriet danach in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1947 gelangte er nach Bamberg und übernahm Aufgaben in Kirche und Politik: Er war Diözesansekretär der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer- Bewegung und Leiter des Katholischen Volksbüros in Bamberg. Von 1960 bis 1970 war der CSU-Politiker Mitglied des Bamberger Stadtrats, am 24. Oktober 1968 rückte er in den Bayerischen Landtag nach. Wünsche wurde danach fünf mal im Stimmkreis Bamberg-Stadt direkt gewählt und blieb bis 1990 Landtagsabgeordneter.

Er wirkte an der Entwicklung der Bamberger Hochschulen zur heutigen Universität mit. Auch das bayerische Kindergartengesetz und die gesetzliche Feiertagsregelung für den Freistaat tragen seine Handschrift. Zudem trug er über zehn Jahre auch bundes- und europaweit Verantwortung. Nach dem Tod eines seiner vier Söhne (2011) und seiner Ehefrau (2012) lebte er umsorgt in einem Seniorenwohnzentrum in Gaustadt. Am Abend des 16. Dezembers starb Paul Wünsche an den Folgen eines Schlaganfalls. Die Beerdigung ist am 22. Dezember, um 12.45 Uhr am Bamberger Friedhof, ein Trauergottesdienst um 18.30 in St. Josef in Gaustadt. ali

Die Traueranzeige im FT am 19.12.2016 auf Seite 20:

Unsere Traueranzeige im FT am 20.12.2016 auf Seite 14:

Trauerbild zum Begräbnis am 22.12.2016

Das Heinrichsblatt brachte am 12.02.2017 auf Seite 21 noch folgenden Nachruf:

Nachruf für CAJ-Diözesansekretär Paul Wünsche von Heinz Hausmann

Viel Einsatz für Kirche, Staat und Gesellschaft

Bamberg (aki) - Am 16. Dezember starb der ehemalige Bamberger Landtagsabgeordnete und Diözesansekretär der Christlichen Ar­beiterjugend (CAI) Paul Wünsche. Der ehemalige Kronacher Landtagsabgeordneter und Leiter des Kronacher Volksbüros Heinz Hausmann hielt bei der Beerdi­gung den Nachruf für den Diözesanverband Bamberg der Ka­tholischen Arbeitnehmer-Bewe­gung (KAB) und den KAB-Landesverband Bayern sowie für den Bezirksverband Oberfranken der CSA (Christlich-Sozialen Arbeit­nehmer-Union) und des CSA-Landesverband Bayern.

Hausmann betonte: „Mit gro­ßem Einsatz hat er für die Aufga­ben und Ziele der KAB in der Erzdiözese Bamberg und weit da­rüber hinaus erfolgreich gearbei­tet und sich große Anerkennung und Achtung erworben.“

Paul Wünsche sei 1922 in Schlesien geboren worden und dort aufgewachsen. Als kleines Kind habe er die Inflationszeit, die Weltwirtschaftskrise, die Zeit der größten Arbeitslosigkeit in Deutschland und als jugendli­cher das sogenannte „Dritte Reich" erlebt. Von 1941 bis 1945 sei er Soldat im Zweiten Weltkrieg gewesen und 1947 aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt - aber nicht mehr in seine schlesi­sche Heimat, sondern nach Bam­berg.

„Paul Wünsche war einer der vielen jungen Leute, die Hand anlegten, um mit ihren beschei­denen Möglichkeiten, einen neu­en demokratischen Staat aufzu­bauen. In Bamberg stieß er auf die Christliche Arbeiterjugend. Er lernte viele junge Leute ken­nen und mit vielen war er fast sein ganzes Leben eng verbun­den, wie mit Norbert Przibiyllok, den späteren Betriebsseelsorger und Domkapitular und Alfred Gassmann, dem späteren KAB- Diözesanvorsitzenden, mit de­nen er für die Menschen in der Erzdiözese Bamberg und unserer bayerischen Heimat viel beweg­te“, berichtete Hausmann.

Bei der CAJ habe Paul Wün­sche auch seine Frau Lotte ken­nen gelernt, die ihn über Jahr­zehnte treu und verständnisvoll zur Seite gestanden habe.

Paul Wünsche sei Diözesansekretär der Christlichen Arbei­terjugend (CAJ) gewesen. Er habe das Katholische Sozialinstitut be­sucht und sei von 1954 bis 1987 Leiter des Katholischen Volksbü­ros und Diözesansekretär der Ka­tholischen Arbeitnehmer-Bewe­gung in Bamberg gewesen.

„In den 50er, 60er und 70er Jahren war eine große Aufbruch­stimmung. Es ging darum, eine menschenwürdige Zukunft für die Arbeitnehmer zu schaffen. Dazu gehörten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und der Lebensverhältnisse, vor allem auch im Wohnungsbau. Von der KAB gingen viele Impulse und Denkanstöße zur Verbesserung des Netzes der „Sozialen Sicher­heit’ aus", erklärte Hausmann.

In seiner 22-jährigen Land­tagstätigkeit (1968 - 1990) habe Paul Wünsche in den Bayeri­schen Landtag viele KAB-An­liegen und Ideen einbringen und tatkräftig unterstützen können. „Auf sehr vieles könn­te verwiesen werden. Der Schutz des Sonntags und der Feiertage waren dem Verstor­benen ein großes Anliegen.“

Die heutige Feiertagsrege­lung in Bayern sei ganz eng mit den Namen Paul Wünsche und Alfred Gassmann und des KAB-Diözesanverbandes Bam­berg und des KAB-Landesver­bandes Bayern verbunden.

Unter den vielen KAB-Ak­tionen, die mit dem Bundes­verband durchgeführt wurden und von Paul Wünsche und dem KAB-Diözesanverband Bamberg große Unterstützung fand, sei auch die Aktion „Rente für Müt­ter - weil's gerecht ist“ gewesen. „Diese Aktion wurde nach jahre­langen Bemühungen ein Erfolg. Die Anerkennung der Kinderer­ziehungszeiten in der Rentenver­sicherung wurden ab 1986 eingeführt und die Leistungen seit­dem auch verbessert“, berichtete Hausmann in seiner Grabrede.

Als Bezirksvorsitzender der Christlich-Sozialen Arbeitneh­mer-Union (CSA) und stellver­tretender Landesvorsitzender sei Paul Wünsche das „soziale Ge­wissen der CSU für Oberfranken und Bayern" gewesen.

„Er hat sich für Kirche, Staat und Gesellschaft große Verdienste erworben“, schloss Hausmann seine Grabrede.

1952 trat Wünsche der CSU bei. Er war stellvertretender Lan­desvorsitzender der CSU sowie stellvertretender Kreisvorsitzender der CSU in Bamberg. Von 1960 bis 1970 saß Wünsche im Stadtrat von Bamberg. Am 24. Oktober 1968 rückte er für den gestorbenen Rudolf Reißenweber in den Bayerischen Landtag nach. Fünfmal wurde er dann im Stimmkreis Bamberg-Stadt direkt gewählt, so dass er bis 1990 Landtagsabgeordneter war. Von 1974 bis 1986 war er Vorsitzender des Landtagsausschusses für Bun­desangelegenheiten und Euro­pafragen.

Paul Wünsche lebte bis zu sei­nem Tod in Bamberg.