14.04.2014 FT, Seite 9

KAB unterstützt Aktion "Pflege am Boden"

Bericht im FT am 14.04.2014 auf Seite 9 (Auszug):

Pflegekräfte setzen Zeichen

DAUERPROTEST Zu einer regelmäßigen Aktion ist „Pflege am Boden“ auch in Bamberg geworden. Veränderungen in der derzeitigen Pflegesituation sind aber noch nicht zu spüren.

Stummer Protest: Rund 30 „Pflegende“ haben sich am Samstagmittag wieder zehn Minuten lang auf den Boden gelegt, um auf die Missstände im Pflegesektor aufmerksam zu machen. Foto: Corinna Tübel

VON UNSERER MITARBEITERIN CORINNA TÜBEL

Bamberg - Reges Treiben und Stimmengewirr am Samstagmittag in der Fußgängerzone rund um den Gabelmann. Am Boden dagegen stiller Protest: Rund 30 Pflegekräfte legten sich für zehn Minuten zu Füßen der barocken Brunnenfigur nieder, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen aufmerksam zu machen.

"Unsere täglichen Herausforderungen werden erschwert durch Arbeitskräftemangel, zu niedrige Bezahlung und eine geringe Wertschätzung der Tätigkeit. Unter diesen Voraussetzungen wird unsere Arbeit physisch und psychisch immer belastender. Wir liegen am Boden" , erläutert die Internetseite der Rahmenaktion " Pflege am Boden" , ein von Parteien, Gewerkschaften und Berufsverbänden unabhängiger Zusammenschluss von Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, Pflegenden Angehörigen und Menschen, denen die Pflege am Herzen liegt.

Immer unattraktiver
Auch wegen der schlechten Arbeitsbedingungen werde der Pflegeberuf für Berufseinsteiger immer unattraktiver - und das in Zeiten des Pflegenotstands. Pflegekräfte hätten immer weniger Zeit für immer mehr zu pflegende Menschen. Der erhöhte Aufwand für die Dokumentation der Pflege stehle wertvolle Zeit am Patienten. Die Pflege, Fürsorge und Betreuung der bedürftigen Menschen komme dabei zu kurz.
Zur Gruppe " Pflegende" gehören Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, Altenpfleger/innen, Fachpflegehelfer/innen und weitere Betreuungskräfte. Sie haben im Kontakt zu ihren Schützlingen nur noch wenig Spielraum, sagt Christine Tietz vom Bamberger Pflegedienstleister Visit: Für alle Tätigkeiten gebe es mittlerweile ein zu knapp bemessenes Zeitfenster. " Haare eines Patienten zu kämmen, wird zum Beispiel mit zwei Minuten veranschlagt. Für das Ankleiden oder Waschen sind auch nur einige Minuten vorgesehen. Bei manchen Menschen geht das schnell, aber bei anderen dauert es eben länger" .

Petra Hemmerlein vom Wilhelm-Löhe-Heim meint: " Es kann nicht sein, dass der Toilettengang für einen Menschen mit Zeit in Form von drei Minuten bezahlt wird." Ihre konkreten Forderungen sind die bessere Bezahlung der Pflegenden, eine höhere Anzahl von Pflegekräften, aber auch eine größere Wertschätzung des Berufs durch Politik und Gesellschaft.

Warum hat sich die Situation der Pflegenden gerade in den letzten Jahren so verschlechtert? Petra Hemmerlein vom Wilhelm-Löhe-Heim sagt dazu: " Vor zehn Jahren hatten wir noch viel mehr Zeit für die Menschen, weil die Bürokratie noch nicht so weit vorangeschritten war." Die Dokumentation der Arbeiten sei einerseits ein Segen, " aber es ist meiner Meinung nach so, dass die Regierung gedacht hat, sie könne durch Controlling Missstände in der Altenpflege beheben und die Situation verbessern. Wir aber haben trotzdem unser Zeitkontingent, das heißt: Irgendwo muss etwas wegfallen und das nimmt man meist den Menschen. Für uns ist das unbefriedigend."

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