03.12.2012 FT

Protest gegen lange Einkaufsnacht

Der FT berichtet am 3.12.2012 auf Seite 1:

PROTEST

Einkauf bei Nacht finden nicht alle gut

Bamberg - Einkaufen bis 24 Uhr: Viele, die dazu am Samstagabend in die Bamberger Innenstadt strömten, waren begeistert. Viele – aber nicht alle. So versammelte sich vor dem ehemaligen Kaufhaus Honer eine Gruppe von Protestierenden. Mit ihrem so genannten Flashmob, bei dem sie sich auf Liegestühlen niederließen, wandten sie sich gegen die ihrer Meinung nach „unzumutbaren Arbeitsbedingungen“ für das durch die überlange Öffnungszeit geforderte Personal. Unterstützt wurde die Aktion von einer Allianz aus Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen, die sich auch gegen verkaufsoffene Sonntage engagiert. Seite 9 hak

Der FT berichtet am 3.12.2012 in Ausgabe A auf Seite 9:

Protestaktion

Flashmob inmitten des Treibens

VON UNSERER MITARBEITERIN Barbara Pittner
Bamberg - Viel Zuspruch fand die „Lange Einkaufsnacht“ in der Bamberger Innenstadt. Aber nicht alle können sich dafür begeistern. Zu den Kritikern gehört die „Allianz für den freien Sonntag“, die an diesem Abend zu einem „Flashmob“ vor dem ehemaligen Kaufhaus Honer eingeladen hat. Um 20 Uhr kommen 17 „Protestler“, stellen Sonnenstühle mit dem Aufdruck „20.00 Uhr ist genug!“ auf und demonstrieren so gegen lange und in ihren Augen unzumutbare Arbeitsbedingungen. „Wir brauchen keinen Konsum rund um die Uhr“, sagt Doris Stadelmeyer von der Gewerkschaft Verdi und ihr Mann ergänzt: „Diese Aktion widerspricht dem, was die Weihnachtszeit sein soll: eine stade Zeit.“

Kritiker der Langen Einkaufsnacht protestieren in Liegestühlen in der Fußgängerzone. Foto: RR

Ralph Korschinsky, Geschäftsführer der Katholischen Arbeiterbewegung und Sprecher der Allianz, in der Gewerkschaften und Vertreter der Kirchen gemeinsam gegen „Arbeit am Sonntag“ kämpfen, hat zu der spontanen Demonstration aufgerufen. Er und seine Mitstreiter sind gegen eine „weitere Ausweitung der Öffnungszeiten“ des Einzelhandels. Die Begründung: Kunden steht nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Zudem stellt Korschinsky in Frage, ob sich der Umsatz durch nächtliche Einkaufsmöglichkeiten erhöht. Unterstützung findet er auch bei Renate Tasler. Sie ist Mitglied der „Allianz für den freien Sonntag“ in Forchheim und betont, dass Einkäufe in ihren Augen nur verschoben werden. Einen weiteren Aspekt spricht Frank Reichard an. Für ihn geht immer mehr Zeit verloren, die Familien miteinander verbringen können. „Diejenigen, die an diesem Abend oder am Sonntag arbeiten müssen, fehlen in der Familie“, so der Bamberger.

Flashmob ist eine neue Form des Protests, der spontan geboren und über die sozialen Netzwerke weitergegeben wird. Für Ralph Korschinsky ist es an diesem Abend in Bamberg eine „humane Form des Protests“. Die Teilnehmenden sind mit Decken und warmem Tee gut gegen die Kälte gewappnet. Sie sprechen mit Besuchern der „Langen Einkaufsnacht“, klären über ihr Anliegen auf und nach gut 20 Minuten löst sich der Protest wieder auf.

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