28.09.2014 Heinrichsblatt, Seite 27

Seniorenwallfahrt der Diözese 2014

Das Heinrichsblatt berichtet am 28. September auf Seite 27:

KAB Seniorenwallfahrt vom Diözesanverband Bamberg führte nach Schweinfurt

Den richtigen Ort gefunden

Bamberg / Schweinfurt (usch) — „Die KAB ist hier und heute am richtigen Ort, hier in St. Michael vor dem Kreuz der Arbeitslosigkeit und der arbeitenden Menschen“, so lautete eine der Kernaussage in der Predigt von Diözesanpräses Albert Müller. So war es auch wirklich, denn für die jährliche Seniorenwallfahrt der KAB aus der Erzdiözese Bamberg wird jeweils eine Kirche ausgewählt, die eine große Wallfahrergruppe aufnehmen kann. In diesem Jahr war es die Kirche St. Michael in Schweinfurt, in der sich etwa 580 Wallfahrer einfanden.

Was von außen wie eine etwas zu hoch geratene Fertigungshalle aussieht, zeigt sich im Innern als ein lichtdurchflutetes Gotteshaus. Außerdem befindet sich in der Kirche das „Kreuz der Arbeitslosigkeit“, das an das Schicksal der Ausgegrenzten und ihrer Familien erinnert. Monatlich werden hier die aktuellen Zahlen der gemeldeten Arbeitslosen im Stadt- und Landkreis Schweinfurt angezeigt, zurzeit sind es 3560.

Das ‚Kreuz der Arbeitslosigkeit“, das im Hintergrund zu sehen ist, stellte Diözesanpräses Albert Müller in den Mittelpunkt seiner Predigt. Foto: Udo Scherzer

Auch darauf ging Albert Müller ein: „Vor 20 Jahren, als dieses Kreuz aufgestellt wurde, waren es weit über 8000. Wenn man auch froh sein darf, dass viele im Industriestandort Schweinfurt wieder Lohn und Arbeit gefunden haben, so darf man nur hoffen, dass sie einen guten und gerechten Lohn erhalten, der ihrer Arbeit würdig ist und von dem sie sich und ihre Familien ernähren können, damit ein sinnvolles und gutes Leben möglich ist.“ Unter diesem aktuellen Aktionsthema der KAB „Sinnvoll leben“ stand auch die diesjährige Seniorenwallfahrt.

Eine menschliche Gesellschaft brauche den Einsatz wacher, aufgeweckter, aufgeschlossener und sozial engagierter gerechtigkeitsfühlender Menschen. So verstehe er die Frauen und Männer der KAB, die nicht einfach über die Missstände der Zeit hinwegsehen. Diese legen ihre Finger in die Wunden, machen deutlich, dass es immer noch ungerecht bezahlte und zu wenig bezahlte Arbeit gibt und beklagen, dass die Rechte der Arbeitnehmer ausgehöhlt und unterwandert werden zu Gunsten einer blinden und egoistischen Profitgier. Nicht das Kapital, sondern der Mensch steht bei der KAB im Mittelpunkt.

Am Beispiel von Papst Franziskus, der uns deutlich macht worauf es ankommt, der aus den Mauern des Vatikans herausgeht, Gefangene besucht, in Armenküchen hineingeht genauso wie in den Betriebskantinen des Vatikans und in Krisengebieten unterwegs sei, zeigte er die Begegnungen mit Gott. So sei es auch die Aufgabe der KAB, so zu handeln wie Franziskus, dass im Blick immer der Mensch steht.

Präses Müller weiter: „Der Glaube erhält seine Würde, seine Glaubwürdigkeit im konkret gelebten Einsatz am Nächsten, in der Liebe zum Mitmenschen. So inspiriert uns heute die Wallfahrt die Frage nach einem sinnvollen Leben. Wir selbst haben es in der Hand und können das Leben sinnvoll werden lassen, bei uns und bei unseren Mitmenschen, wenn wir füreinander da sind und Eintreten für eine solidarische und gerechtere Welt. Und wo es notwendig ist, müssen wir laut und unbequem und frech sein und es in Kauf nehmen, dass wir vielleicht manchmal von den Verantwortlichen in der Kirche schief angesehen werden.“

Das KAB-Gebet sagt uns „Dein Reich komme in die Fabriken, die Werkstätten, die Büros und in unsere Häuser“. Aber nicht nur die Sakristei gehöre zur Kirche, sondern auch die Fabrik draußen vor der Tür der Kirche in unserer Pfarrei. Es sei laut Müller ein Skandal und das müsse umgekehrt werden, wenn der Pfarrer schon dreimal in Israel, fünfmal in Rom aber noch keinmal in unserer Fabrik war. „Wir stehen dafür ein, dass das Reich Gottes sich verwirklicht, auch im Leben der Arbeit und Fabriken und unseren Familien und dann auch in unseren Pfarreien.“

Der spontane Beifall am Ende der Predigt zeigte, dass Diözesanpräses Albert Müller voll aus den Herzen der Wallfahrer gesprochen hatte.

Die Teilnehmer der Seniorenwallfahrt der KAB aus dem Erzbistum Bamberg kamen mit zwölf Bussen aus allen Teilen der Erzdiözese nach Schweinfurt. Ab der Stadthalle bewegte sich der Wallfahrtszug singend und betend, von Regenschirmen beschützt zur Kirche St. Michael. Angeführt wurde der Zug von 20 Bannern und musikalisch begleitet vorn Musikverein Wallenfels.

Angekommen in der Kirche St. Michael, begrüßte Pfarrer Roland Breitenbach die Wallfahrer und gab Erläuterungen zum modernen Kirchenbau. Obwohl die Kirche schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil erbaut wurde, steht der Altar im Mittelpunkt der Kirche.

Bevor die einzelnen Busgruppen in ein individuelles Nachmittagsprogramm starteten, wurde die Wallfahrt mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Stadthalle in Schweinfurt offiziell beschlossen.

Sehen Sie dazu auch unseren Bildbericht