15.03.2010 FT, Seite 12

Späte Ehre für Joseph

Bamberg - Der heilige Joseph wird mehrmals in der Bibel genannt, aber erst relativ spät in der katholischen Kirche verehrt. Zum Josefstag am Freitag, 19. März, wird Pfarrer i.R. Josef Eckert, um 19 Uhr im Pfarrheim St. Heinrich zu diesem Thema referieren. Zu diesem Vortrag lädt die KAB St. Heinrich ein. Der Eintritt ist frei.

Quelle: FT, Montag, den 15.03.2010, in Ausgabe A, Seite 12

Das Verhalten Josefs ist Aufforderung an die KAB

Bericht im Heinrichsblatt,  Nr. 16, am 18. April 2010, Ausgabe B, Seite 20

Pfarrer Josef Eckert beim Vortrag in St. Heinrich

Unser Bericht:

St. Josef – der unterschätzte Heilige

KAB-Veranstaltung zum Josefstag

Bamberg (ds). „Nur ein Heiliger für einen Seitenaltar?“ – diese rhetorische Frage stellte Pfarrer i. R. Josef Eckert zu Beginn seines Vortrags, zu dem die KAB Kreisverband Bamberg Stadt e. V. und die KAB St. Heinrich am Freitag, 19. März, in das Pfarrheim St. Heinrich eingeladen hatten.

Dieser Ansatz ist in der Hinsicht korrekt, als dass nur die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas Einzelheiten über Josef berichten. So stammte er aus dem Geschlecht des israelitischen König David und sein Beruf wird mit dem griechischen Wort „Tekton“ angegeben, was „Bauhandwerker“ oder auch „Architekt“ bedeutete und alle Tätigkeiten beim Hausbau einschloss. Er war also generell in der Bearbeitung von Holz und Steinen ausgebildet. Deshalb auch der Beiname „der Zimmermann“.

In der katholischen Kirche wird Josef erst seit dem 9. Jahrhundert verehrt. 1479 führte Papst Sixtus, ein Franziskaner, den 19. März als Festtag des Hl. Josef ein, nachdem der Josefskult seit dem 14. Jahrhundert insbesondere von Bettelorden gefördert worden war. Bei den Römern war der 19. März der Tag des Festes der Minerva – der Göttin der Handwerker. Ab dem Jahr 1621 wurde der Josefstag ein kirchlicher Feiertag. 1870 erklärte Papst Pius IX. den heiligen Josef zum Schutzpatron der katholischen Kirche und Pius XII. führte 1955 – als kirchliches Pendant zum weltweit begangenen Tag der Arbeit (1. Mai) – den Gedenktag „Josef der Arbeiter“ ein, der ebenfalls am 1. Mai gefeiert wird. Papst Johannes XXIII. erwählte Josef, neben Maria, zum besonderen Schutzpatron des 2. Vatikanischen Konzils, das im Jahre 1961 stattfand. In Bayern war der Josefstag bis 1968 ein gesetzlicher Feiertag, in Spanien und einigen Kantonen der Schweiz ist er das noch heute.

Was gibt es nun über die Person und das Wirken Josefs – über dessen Leben und Werdegang wenig im Neuen Testament überliefert ist – zu sagen? Er wird als der „große Schweiger“ dargestellt, der im Hintergrund agiert, der zuhört, wenn Gott zu ihm spricht und das Gesagte als Wirklichkeit akzeptiert. So wie er Maria – auf Weisung eines Engels, der ihm im Traum erschienen war – zur Frau nimmt, obwohl sie (nicht von ihm) schwanger war. Oder als er – ebenfalls aufgrund eines Traumes – mit Maria und Jesus nach Ägypten flieht, um den von Herodes befohlenen Kindesmord zu entgehen. Josef handelt ohne zu zögern, er „schweigt, damit er hört“, in seinem Schweigen agiert Gott und er ist sein Werkzeug.

Dieses Verhalten Josefs – angewandt auf die Gegenwart – ist eine Aufforderung an die KAB, so Eckert, ebenfalls zu handeln, sich mit den Problemen unserer Zeit zu beschäftigen und aufzustehen gegen soziale Ungerechtigkeit und sich für wichtige Themen, wie den freien Sonntag, Mindestlöhne oder gegen Mobbing usw. einzusetzen. Im Kontrast zu manchen Politikern oder anderen Personen des öffentlichen Lebens, die sich – aus Profilierungsgründen – lautstark äußern ohne konkrete Inhalte zu artikulieren, muss es auch in unserer Zeit Menschen geben, die – im positiven Sinne – handeln. Ein stiller, unauffälliger Dienst sei von höchster Aktualität, forderte Eckert.

Als Antwort auf die am Anfang des Referates gestellte Frage, ob Josef nur ein Heiliger für einen Seitenaltar sei, sagte Eckert, dass gerade seine Art und Weise, praktisch und der Situation angemessen zu handeln, ihn in der Volksfrömmigkeit zu dem beliebtesten Heiligen aufsteigen ließ. Ein Heiliger zum „Anfassen“, der für alle alltäglichen Notwendigkeiten zuständig und somit ein Repräsentant der Spiritualität im Alltagsleben ist. Er ist u. a. Patron der Ehepaare und Familien, der Arbeiter und Handwerker, Totengräber, der Sterbenden und für einen guten Tod. Außerdem seien weltweit sehr viele Kirchen nach ihm benannt – drei davon allein in Bamberg und sehr viele im Landkreis. Des weiteren verwies Eckert noch auf die aktuelle Ausstellung „Josef, Säbbä, Fini – Geschichten um einen Namen“ des Historischen Museums Bamberg, die sich mit dem Vornamen „Josef“ und seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung beschäftigt.

Zusammenfassend lasse sich die Persönlichkeit und das Wesen des Hl. Josef am besten mit den Worten eines unbekannten Theologen charakterisieren: „Von manchen Menschen weiß man nicht viel und doch genug, um das ganze Leben davon zu lernen.“

Siehe dazu auch unsere Bilder