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08.09.2011 Udo Scherzer

Gerechtigkeit durch Teilhabe

Da staunten die Amberger nicht schlecht, als am letzten Dienstag im August etwa 650 Frauen und Männer der KAB aus der gesamten Erzdiözese Bamberg singend und betend durch Amberg in die Basilika St. Martin zogen. Der Wallfahrtszug wurde von zahlreichen Bannern der einzelnen KAB-Gemeinschaften, vom Frankenwald bis nach Nürnberg, und der Blaskapelle Wallenfels begleitet. In der Basilika erlebten die Senioren einen eindrucksvollen Gottesdienst mit dem KAB-Diözesanpräses Albert Müller und den Mitzelebranten Msgr. Pfr. Andreas Straub, dem er zu seinem 50jährigen Priesterjubiläum gratulieren konnte, und Pfr. Bochalski aus Stettin, der zur Urlaubsvertretung in Pautzfeld und Hallerndorf ist. Vorher erzählte kurz Pfarrer Meiler von St. Martin den Wallfahrern wissenswertes zur Kirche und zu Amberg.

Wie ein roter Faden zog sich das Thema der Wallfahrt „Gerechtigkeit durch Teilhabe“ auch durch den Gottesdienst und die Predigt von Diözesanpräses Albert Müller. Wer teilnimmt am Leben anderer, merkt, wie sein eigenes Leben bereichert wird. Durch unsere Teilnahme an der Eucharistie verwirklicht sich die tiefste Teilhabe im Glauben. Wenn also Leben und Glauben existenziell von Teilhabe abhängen, dann müssen wir – vor allem als KAB – sehr aufmerksam sein, wo Menschen von Teilhabe ausgeschlossen sind!

Auch wenn in Deutschland die Arbeitslosenzahlen auf einen erfreulich niedrigen Stand gesunken sind, so sind es doch rund drei Millionen Menschen, die nicht am Arbeitsleben teilhaben können. Dazu kommen viele, die trotz Arbeit nicht vom Lohn, den sie erhalten, leben können. Die KAB hat Recht, wenn sie eine gerechtere Verteilung der vorhandenen Arbeit fordert, wenn sie sich für einen gesetzlichen Mindestlohn und eine gerechte Entlohnung der Leiharbeitnehmer einsetzt: Gerechtigkeit durch Teilhabe!

Deutschland ist Exportland und der Außenhandel blüht aufgrund des niedrigen Euro. Trotzdem geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, und es stellt sich die Frage: wer profitiert davon, wo kommt etwas an von dem Exportüberschuss? Die Umverteilung von unten nach oben, von der Mehrzahl der Mitbürgerinnen und Mitbürger zu einigen Wenigen, die unverschämt reich und immer reicher werden, kann selbst die Politik nicht stoppen – oder sie will es nicht.

Schuld an der weltweiten Finanzkrise 2008 hatten die Zocker in Banken und Kapitalfonds. Aber bis auf wenige Ausnahmen wurde keiner zur Verantwortung gezogen. Im Gegenteil. Sie sind schon wieder am Werk, nur viel frecher und gefährlicher als zuvor: während damals noch auf die Pleite von Immobilienfonds oder Banken spekuliert wurde, stürzt man jetzt ganze Nationen in den Abgrund. „Solange Rentner immer wieder Nullrunden hinnehmen müssen”, so Diözesanpräses Müller, „solange Familien für die Erziehung von Kindern nicht die nötige steuerliche Entlastung erhalten, solange Lohnsteigerungen weit hinter der Inflationsrate zurückbleiben, während gleichzeitig Besserverdienende geschont und manche Einkommensarten an der Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben außen vor bleiben, ist keine Gerechtigkeit gegeben.” Und er forderte die KAB auf, sich ihrer Aufgabe und Berufung gerecht zu werden, für Gerechtigkeit durch Teilhabe einzutreten und mit Bündnispartnern Protest zu erheben. Denn es braucht einen Aufschrei, der gehört wird. „Wer schweigt, der stimmt zu!”, so der Schlussappell von Müller.

Von den Strapazen des Vormittags (viele mussten schon in den frühen Morgenstunden aufbrechen, um nach Amberg zu kommen) erholen konnten sich die Wallfahrer beim gemeinsamen Mittagessen im Amberger Congress Centrum (ACC). Wiederum unter den Klängen der Blasmusik und dem Lied „Freunde steht auf“ wurde der offizielle Teil beendet.

Für den Nachmittag hatten die einzelnen Busbegleiter individuelle Programme, wie Plättenfahrt, Stadtführung, Wallfahrtskirche auf dem Mariahilfberg und/oder einen Gaststättenbesuch unternommen. So konnten alle Beteiligten der 16. Seniorenwallfahrt einen erlebnisreichen und mit vielen Einrücken angehäuften Tag erleben. Für alle beteiligten KABler war die diesjährige Wallfahrt ein Erlebnis und alle spürten, es ist gut und es tut gut, gemeinsam auf dem Weg zu sein.

So bleibt die Vorfreude auf die nächstjährige KAB-Seniorenwallfahrt, die anlässlich des Domjubiläums nach Bamberg führen wird.