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10.04.2019

Lasst euch mit Gott versöhnen...

Gottes Versöhnung mit uns Menschen ist etwas ganz Außergewöhnliches. Gott schenkt sie uns grundlos. Er drängt sie nicht auf, aber wir müssen sie annehmen (können).

Gott ist zur Versöhnung bereit! Er braucht nicht Gebete, Opfer, Gesten oder andere Sühneleistungen, um versöhnungsbereit zu werden. Wir aber sind oft störrisch und wollen seine Versöhnung nicht annehmen.

Das letzte Zeichen der Bereitschaft Gottes zur Versöhnung mit uns Menschen zeigt sich in Jesus Christus. Seine Geburt im Stall, sein Leben, seine Hinwendung an alle Menschen, sein Kreuz und schließlich die Auferweckung sind die vollendete Konsequenz seiner Menschwerdung. In der Auferweckung Jesu bestätigt Gott diesen Versöhnungsdienst Jesu. 

Das klingt theologisch abstrakt formuliert. Es wird aber konkret im Leben Jesu, in seinem Verhalten, seinen Gleichnissen. Er geht den Verlorenen nach.

Einige Schriftstellen machen das deutlich:
ð Er freut sich mit dem Hirten, der das verlorene Schaf wiederfindet und mit seinen Freunden ein Fest feiert (Lk 15, 4-7)
ð Er freut sich mit der Frau, die die verlorene Drachme findet und diese Freude mit ihren Freundinnen teilt (Lk 15. 8-10).
ð Er spricht von dem guten Vater, der den verlorenen Sohn, der heimkehrt, freudig wieder aufnimmt und ein Freudenfest feiert (Lk 15, 11-22).
ð Er ist selber der gute Hirt, der gekommen ist, damit alle das Leben in Fülle haben (Jo 10, 7-11).
ð Er wendet sich der verachteten samaritanischen Frau zu und richtet sie wieder auf (Jo 4, 5-26).
ð Er lässt sich von der der Sünderin die Füße mit ihren Tränen benetzen, küssen und salben und vergibt ihr ihre Sünden (Lk 7, 36-50).
ð Er verurteilt im Gegensatz zu den Pharisäern der Ehebrecherin nicht und spricht sie von ihren Sünden frei (Jo 8, 1-11).
ð Er öffnet dem Zöllner Zachäus die Tür zu einem anderen Leben ( Lk 18, 9-14).
ð Er heilt die von bösen Geistern geplagte und gekrümmten Frau (Lk 13, 10-17), den Aussätzigen (Mk 1, 40-45)), den Besessenen in Gerasa (Lk 8, 26-39), die Tochter der kanaanäischen Frau ((Mt 15, 21-28) und viele andere.

Immer wieder wendet sich Jesus den Menschen zu, den Ausgegrenzten und Belasteten, den Sündern und Kranken, aber auch den Reichen, den Pharisäern und Schriftgelehrten. Das ist sein Dienst an der Versöhnung der Menschen mit Gott, die nur dann möglich wird, wenn die Versöhnung der Menschen untereinander gelingt.

Er ruft alle zu sich, die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben, weil er ihnen Ruhe schenken will. Er isst mit den Zöllnern und Sündern als Zeichen dafür, dass alle in die Tischgemeinschaft mit Gott eingeladen sind. Er ist derjenige, der Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige reinwerden lässt. Durch ihn hören Taube, stehen Tote auf, wird den Armen das Evangelium verkündet (Lk 7,22).

Gott wendet sich mir zu. Ich muss mir nicht perfekt sein, sondern bedürftig, arm, schuldig. Ich darf dazu stehen, dass ich mir den Sinn meines Lebens nicht selber kaufen kann, dass alles, was ich tun oder mir leisten kann, mein Ansehen in der Gesellschaft, mein Geld, auch meine guten Werke nicht ausreichen, um meine tiefste Sehnsucht nach Leben zu füllen. Nicht alles ist Leistung, Arbeit, Geld Geltung und Macht. Ich muss mich nicht fürchten, abgehängt zu werden, allein zu sein. Denn Gott hat sich ja in Jesus uns zugewandt.

Er ist uns nahe, schenkt uns Mut zum Leben und den Glauben in das Miteinander der Menschen Gott. Deswegen brauchen alle Vergebung. Deswegen brauchen alle Versöhnung.

Bamberg, 03.04.2019

Winfried Zawidzki