Aktuelles

11.07.2011

Rote Karte für Schlecker und Co.

Oswald Greim im Gespräch mit A. Soldo und J. Gerbig - Foto: S. Ecker

DGB Vorsitzender St. Doll und DGB-Sekretär O. Schreglmann - Foto: S. Ecker

Dekan Huth hört Dr. Walwei zu - Foto: S. Ecker

Adrijana Soldo, Trägerin des Deutschen Betriebsrätepreises, in der Katholischen Akademie in Nürnberg.

Frau Soldo faszinierte bei der Eröffnung der KAB-Ausstellung „Gute Arbeit“ im Caritas Pirckheimer Haus in Nürnberg die Anwesenden. Sie schilderte, wie die Kolleginnen mit Hilfe von Betriebsseelsorge, Kirchlichem Dienst in der Arbeitswelt und Gewerkschaft die Schlecker-Pläne durchkreuzten. Es wird keine Betriebe auf Leiharbeitsbasis bei der Kette geben, sondern einen Tarifvertrag mit ver.di.. Denn die Menschen wollten gute Bezahlung für ihre Arbeit. Und keinen ständig wachsenden Druck durch Lohndumping, flexible Arbeitszeiten und Minijobs.

Zuvor hatte Dr. Ulrich Walwei, der Vizedirektor des wissenschaftlichen Instituts der Bundesagentur für Arbeit, dargestellt, wie die Entwicklungen in der deutschen Arbeitswelt sind: Zu Lasten besonders der Frauen und der jungen Generation. Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor der Industrieländer in den letzten 10 Jahren entwickelt. Neueinstellungen sind zu 47% befristet. Die befristet Beschäftigten werden im öffentlichen Dienst und in gemeinnützigen Organisationen am wenigsten fest übernommen. Ein „moderater“ flächendeckender Mindestlohn sei notwendig und machbar.

Zur Rente mit 67 brachte Jürgen Gerbig, Mitglied der bayrischen arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas, seine Erfahrungen ein. Als Mitarbeitervertreter in einem Altenpflegeheim erlebt er, dass die Kolleginnen und Kollegen diese höchst anstrengende Tätigkeit kaum bis zur Rente durchhalten können. Sie erkundigten sich immer öfter über die Bedingungen eines früheren Aufhörens, besonders über die finanziellen Folgen. „Rente mit 67 oder gar mit 69 ist ein reines Rentenkürzungsprogramm!“ Zur erfolgreichen Eindämmung von Leiharbeit bei MAN berichtete der freigestellte Betriebsrat Bülent Köroglu. Für ihn ist ein gut organisierter gewerkschaftlicher Vertrauenskörpers wichtig gewesen. Nur so konnte das Betriebsratsgremium effektiv Druck auf die Geschäftsleitung ausüben.

Dem stimmte Stephan Doll, der Vorsitzende des DGB Mittelfranken, zu. Nürnberg liegt mit der Anzahl der LeiharbeitnehmerInnen deutlich über dem bayrischen Durchschnitt. Besonders zu betonen sei, dass es dabei um die Menschenwürde und um Werte gehe. Deswegen begrüße er sehr, dass die Kirchen und ihre Organisationen sich mit den Gewerkschaften in Nürnberg für gemeinsame Werte einsetzen. Dazu gehöre auch der Kampf für einen nicht nur „moderaten“ Mindestlohn. Da bekundete Dekan Roland Huth auch im Namen von Dekan Wolfgang Butz Übereinstimmung. Er wünschte sich, dass diese Zusammenarbeit für die Menschen noch mehr in der Kirche Fuß fasse.

Dr. Siegfried Ecker, Mitglied des KAB-Diözesanvorstandes, hatte eingangs darauf hingewiesen, dass sich die KAB mit ihren Forderungen nach einem Mindestlohn und nach der Rente mit 65 im Widerspruch zur „offiziellen“ deutschen katholischen Soziallehre befinde. Das neueste „Sozialwort“ der Bischofskonferenz „Chancengerechte Gesellschaft“ sei für die Rente mit 67 und die „Arbeitsmarktreformen“ des letzten Jahrzehntes eingetreten. Aber Protest gegen gesellschaftliche Missstände habe eine lange Gebetstradition. Schon die Psalmen des Alten Testamentes klagten die ungerechten Zustände an. Der Gewerkschaftschor „Auftakt“ hatte dies schon zu Beginn mit einer Psalmvertonung von H. Schütz gezeigt: „Sprecht ihr wirklich Recht ihr Mächtigen?“ Das Streiklied „Brot und Rosen“, das Solidaritätslied und der aktualisierte Konjunktur-Cha Cha sorgten nach den Kurzreferaten immer wieder für Auflockerung und Vertiefung. Kreisförmig um die TeilnehmerInnen aufgestellt, waren die 14 Roll-ups der Ausstellung eine gute Anregung für manches Gespräch.

Dr. Siegfried Ecker

Nachtrag: vergleichen Sie bitte diesen Artikel mit dem in der Nürnberger Zeitung vom 06.07.2011.