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30.09.2011 Ralf Jakob

„Unterwegs mit der Bibel im Rucksack“

Kennzeichen vieler italienischer Klettersteige sind lange, nahezu senkrecht verlaufende Eisen-leitern an steilen Felswänden, die von der KAB-Wandergruppe „Mit der Bibel im Rucksack“ überwunden werden mussten.

Manchmal führte der Weg ziemlich luftig und fast senkrecht nach oben für die Wandergruppe „Mit der Bibel im Rucksack“ der KAB Bamberg, so wie hier am Einstieg des „Bocchette-Klettersteigs“ in der Brenta.

Die Schönheit der Natur und Gottes Schöpfung hautnah erfahren jedes Jahr drei Wandergruppen der KAB – hier auf dem „Sentiere delle Bocchette“ in der Brenta.

- so lautet seit mehr als 20 Jahren das Motto einer der erfolgreichsten Veranstaltung des Diözesanverbands der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Dieser Seminartitel verspricht „ein besonderes Angebot für alle, die gerne in den Bergen unterwegs und bereit sind, sich weit weg vom Alltagsstress auf Glaubens- und Gemeinschaftserfahrungen einer etwas anderen Art einzulassen“.
Jedes Jahr, an einem verlängerten Wochenende im September, sind jeweils drei Gruppen von Bergbegeisterten gemeinsam unterwegs auf schmalen und steilen Wegen in den Alpen. In diesem Jahr wanderten zwei Gruppen mit insgesamt 33 Teilnehmern in Osttirol auf dem „Lasörlinger Höhenweg“ von Hütte zu Hütte, eine dritte Gruppe mit 13 Bergfreunden zog es zu den Klettersteigen der Brenta in Italien. Hoch über dem Virgental konnten die Ersteren bei richtig gutem Bergwetter ihr volles Programm durchlaufen und mit dem Lasörling (3098 m) gar einen Dreitausender besteigen. Die dritte Gruppe der „Klettersteig-Geher“ musste wegen eines Wettersturzes die Tour abbrechen und schon einen Tag früher als geplant heimreisen. Aber der zentrale Teil des berühmten „Bocchette“-Klettersteigs, der schon in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit vielen Eisenleitern, Klammern und Drahtseilen als „Eisenweg“ angelegt worden ist, konnte ohne Einschränkungen geklettert und erlebt werden. „Die Schönheit der Natur mit den gewaltigen Felsformationen und dem herrlichen Panorama lassen einen ins Schwärmen kommen und den Alltag vorübergehend komplett ausblenden“, berichtet Jochen Radeck aus Forchheim, in diesem Jahr erstmals dabei, und schwärmt weiter: „Die majestätische Ruhe der Berge ohne störende Fremdgeräusche versetzt mich zurück in eine Art Urzustand, in dem ich eine starke Erdverbundenheit und Demut spüre.“ Für Raimund Köhler sind es neben der „tollen Umgebung der Berge“ und der guten Kameradschaft in der Gruppe vor allem die geistigen Impulse während des Tages, die ihn beeindrucken. Die beiden Gruppen in Osttirol hatten sich der dreifachen Fragestellung angenommen, wie „man Gott, seinen Nächsten und sich selbst lieben könne“. Bei der dritten Gruppe der Klettersteiggeher hat das diesjährige Thema „Sehnsucht Leben“ es allen ermöglicht, über sich selbst und die eigenen Sehnsüchte nachzudenken und sich darüber auszutauschen. „Dazu bleibt im Alltag viel zu wenig Zeit“, meint Heinrich Weidner, der mit Lothar Bischof und Werner Weber seit vielen Jahren diese Wochenenden ehrenamtlich organisiert und leitet. „Wie sich dem Gehenden der Weg unter die Füße schiebt“, das hat Neuling Reinhard Helmrich beim bergan Gehen ganz anschaulich am eigenen Leib erfahren dürfen. Harald Kintopp hingegen erlebte im Brenta-Klettersteig „ein kitzeliges Gefühl mit Grenzerfahrung, was man wohl nie vergisst“. Solche Erlebnisse und manch geistiger Impuls wirken noch lange nach, auch wenn der Alltag für die Bergsteiger schon längst wieder eingekehrt ist.