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Starke Kronacher Frauen, die ihren Weg gehen

In Kronach wurde am Sonntag der Internationale Frauentag gefeiert. Eingeladen hatte der KAB-Kreisverband Kronach, der die Veranstaltung in der Kronacher Synagoge unter das Motto „Frauen gestalten Gesellschaft“ stellte.

 

Gemeinderätin Ursula Eberle-Berlips stellte ihre Arbeit und den Weg dahin vor.

In Kronach wurde am Sonntag der Internationale Frauentag gefeiert. Eingeladen hatte der KAB-Kreisverband Kronach, der die Veranstaltung in der Kronacher Synagoge unter das Motto „Frauen gestalten Gesellschaft“ stellte.

Kronach- Frauen sind heute wie damals unverzichtbar bei der Gestaltung in allen Bereichen des Lebens - aktiv und vielfältig, ehrenamtlich oder beruflich. Sich zu engagieren, bedarf Mut. Der erste Schritt ist schwer. Doch Frauen wachsen mit ihren Aufgaben und schaffen es dann doch - So könnte man den Grundtenor der interessanten Veranstaltung anlässlich des Internationalen Frauentags zusammenfassen, der auf Initiative und Organisation des KAB-Kreisverbands Kronach mit Unterstützung von Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer erfolgte und am Sonntag viele Besucherinnen und auch einige Besucher in die Kronacher Synagoge führte.

In lockerer Atmosphäre traten fünf „starke“ Frauen ihrem Publikum offen gegenüber. Sie stellten sich, ihre Arbeit und ihren Weg dahin vor. Stellvertretend für die vielen politisch engagierten Frauen im Landkreis stand Ursula Eberle-Berlips. „Bereits mein Vater war in der Kommunalpolitik tätig. Er war CSU-Mitglied und sozial engagiert. Damit bin ich aufgewachsen“, blickte sie zurück. Bereits mit 14 Jahren trat sie mit einer Sondererlaubnis in die JU ein, mit 15 Jahren tanzte sie mit Franz Josef Strauß Walzer. Sieben Jahre lebte die Münchnerin mit ihren Ehemann in Baden-Württemberg in einer Bundeswehr-Enklave. „Ich hatte mit dem Ort nichts zu tun. Ich bin nicht einmal zu Kommunalwahl“, erinnerte sie sich. Vor 22 Jahren zogen sie in den Landkreis, weil sie in den ländlichen Raum wollten. Die Gestaltung ihres Lebensumfelds liegt ihr am Herzen. Die zweifache Mutter baute in der Muki Kronach erste Kinderbetreuungsformen auf. Diesen Anfängen komme ein maßgeblicher Anteil daran zu, dass man heute ein vorbildliches Netz an Kinderbetreuung gerade auch in Küps habe, dessen Marktgemeinderat sie seit 2000 angehört. „Darauf schaue ich mit Stolz zurück“, erklärte sie und verhehlte auch die damaligen Widerstände nicht. Allen politisch engagierten Frauen rät sie, sich nicht auf Frauenthemen reduzieren zu lassen. In der Politik zählten Eigenschaften wie Fleiß, Ausdauer und Verstand – egal ob Mann oder Frau.

Gabriele Zeuß ist eine Frau der Kirche. Sie übt viele Ehrenämter im kirchlichen beziehungsweise sozialen Bereich aus. Die KAB-Ehrenvorsitzende war rund 28 Jahren an der Spitze des Kreisverbands Kronach-Hof. Ehrenamtliches Engagement in der Kirche sei als Frau nicht immer leicht. „Aber ich möchte die frohe Botschaft in das tägliche Leben der Menschen bringen. Kirche und tägliches Leben sind keine zwei verschiedenen Dinge“,  appellierte die Wolfersgrünerin. Als Pfarrgemeinderätin und Wortgottesdienst-Leiterin bemüht sie sich, das kirchliche Leben in ihrer Heimatpfarrei lebendig zu halten. „Es gab Pfarrer, die meinten, Frauen sollen in der Kirche schweigen, aber auch solche, die mich ermutigten. Ohne beide stände ich heute nicht hier“, zeigte sie sich sicher. Die Vorurteile gegenüber Frauen in der  katholischen Kirche seien sicherlich weniger geworden, aber es gebe sie noch immer. „Ich engagiere mich trotzdem, weil es meine Heimat ist und weil mir die Menschen am Herzen liegen“, verdeutlichte sie.

Für die Welt der Arbeit sprach Elisabeth Williams aus Stockheim. Seit über 30 Jahren setzt sich die nunmehr 54-Jährige für die Belange der Beschäftigten bei der Rebhan FPS Kunststoff-Verpackungen ein. „Die Firma gibt es seit über 50 Jahren, ich arbeite seit 32 Jahren dort“, erzählte sie. Sie war erst sechs Monate in der Firma, als sie in den Betriebsrat gewählt wurde. Heute ist sie Vorsitzende, engagiert sich in Ausschüssen, in der Tarifkommission und vielem mehr. „Die Aufgabe des Betriebsrats hat sich sehr verändert. Heute geht es mehr um den wirtschaftlicher Aspekt“, erklärte sie. Viel Paragraphenarbeit sei zu leisten. Früher habe es nur Männer an der Spitze gegen. „Als Betriebsrätin ist es nicht einfach. Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre es nicht gegangen“, sagte sie dankbar.

„Mein Weg war nicht geradlinig“, räumte die Restauratorin und Museumspädagogin Petra Zenkel-Schirmer ein, die zunächst Kinderpflegerin erlernte. „Beruflich hatte ich damals zwei Möglichkeiten: Bürokauffrau - das wollte mein Vater - oder Kinderpflegerin, das wollte meine Mutter. Ich war von beidem nicht begeistert“, sagte sie ehrlich. Nach ihrer Ausbildung fasste sie den Mut, Schreinerin zu werden. „Meine Eltern waren entsetzt“, erinnerte sie sich. Sie schloss nicht nur ihre Lehre ab, sondern absolvierte viele Weiter- und Fortbildungen und erwarb Zusatzqualifikationen. 1998 machte sie sich in der Heimat selbständig. Seit zehn Jahren hat sie ein Atelier für Restauration in der Oberen Stadt. „Wir erhalten Kunst, bringen sie an den Menschen, machen sie sichtbar und vererbbar für weitere Generationen“, erzählte sie begeistert. Auf einer Leinwand zeigte sie schöne Fotos, die einen Einblick in ihr umfassendes Arbeitsspektrum zeigten.

 

„Ich decke das klassische Frauenbild ab“, meinte Sabine Wank. Sie kam 1995 mit ihrem Ehemann und den damals einjährigen Zwillingen nach Gehülz, weil ihr Mann eine Firma übernahm. Da sie niemand gekannt habe, habe sie sich der Muki in Kronach angeschlossen, wo sie sich sehr engagierte. „Ich wurde sofort aufgenommen und es entstanden viele langjährige Freundschaften“, freute sie sich. 14 Jahre engagierte sie sich im Elternbeirat – vom Kindergarten über die Grund- bis zur Realschule. Immer habe sie Ehrenämter im Bereich Kinder ausgeübt. Ihr Ehrenamt half ihr bei ihrer späteren Berufsfindung - sei es beim Bund Naturschutz, in der KEB (Katholische Erwachsenenbildung), bei der Mittagsbetreuung an einer Schule oder auch bei der  „Demografie-Pilotregion Oberfranken". Diese Stellen seien an sie herangetragen worden, weil sie sich ein gutes Netzwerk aufgebaut habe. „Darauf bin ich stolz. Ich habe den beruflichen Einstieg geschafft - mit Ende 40“, so Wank. Dass sie die Jahre zuhause bei den Kindern geblieben sei, bereue sie nicht. „Diese Zeit möchte ich nicht missen“, betonte die „Familienfrau“.  

„Frauen sind bei der Gestaltung der Gesellschaft unverzichtbar“, zeigte sich Mathilde Hutzl vom KAB-Kreisverband Kronach sicher. Die fünf Frauen hätten eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was es für tolle engagierte Frauen im Landkreis gebe. Hierzu zähle natürlich auch das Duo „Flair“ – Ute Fischer-Petersohn und Alexandra Förtsch. Diese hatten mit  stimmungsvollen Liedbeiträgen die Veranstaltung bereichert. Obwohl sich vieles getan habe, sei - so Hutzl - der Weg zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen noch lange nicht zu Ende gegangen. Die Gäste hatte eingangs die stellvertretende KAB-Kreisvorsitzende Adelheid Kotschenreuther willkommen geheißen. Durch den Nachmittag führte Diözesansekretärin Maria Gerstner. Anschließend waren die Gäste zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Die freiwilligen Spenden gehen auf das Spendenkonto der Pfarrei St. Johannes Kronach für Flüchtlingskinder. hs