Soziallehre aktuell

13.12.2013

Franziskus hat Recht

Papst Franziskus hat wieder mal für Schlagzeilen gesorgt. So titelte der Chefredakteur Wirtschaft der „Süddeutschen Zeitung“, Marc Beise, am Samstag:  „Der Papst irrt.“ Er und viele andere Kommentatoren in der deutschen Öffentlichkeit meinen, der Papst sei sehr stark von seinen südamerikanischen Erfahrungen geprägt. Und zudem Seelsorger und nicht Ökonom. Er meine nicht die deutsche Soziale Marktwirtschaft. Die sei ja grundsätzlich richtig. Es müssten nur die Exzesse zurückgedrängt werden, die in der Finanzwelt zur Krise geführt hätten. Diese habe zugegebenermaßen auch getötet. Da geben ihm viele Recht.

Liest man sein Schreiben allerdings genauer, kann man mit Fug und Recht sagen: Franziskus meint auch die europäische Wirtschaft. Denn fast die gesamte Wirtschaftspolitik der Industrieländer wird beherrscht von der Angebotstheorie. Diese behauptet, dass die Reichen immer zahlreicher, die Armen aber immer ärmer gemacht werden müssen. Internationaler Währungsfond und europäische Behörden sagen: Nur so geht es auf die Dauer allen besser, wir müssen wettbewerbsfähiger werden. Das ist aber weder politisch noch moralisch haltbar. Man muss nur die Folgen der europäischen Sparpolitik in Südeuropa klar benennen: Selbstmorde nehmen zu, Arbeitslose verzweifeln.

Der Papst sagt, dass die Wirklichkeit nie nach dieser Theorie funktioniert hat. In Nr. 54 schreibt er: „In diesem Zusammenhang verteidigen einige noch die „Überlauf“-Theorien (trickle-down-Theorie), die davon ausgehen, dass jedes vom freien Markt begünstigte Wirtschaftswachstum von sich aus eine größere Gleichheit und soziale Einbindung in der Welt hervorzurufen vermag. Diese Ansicht, die nie von den Fakten bestätigt wurde, drückt ein undifferenziertes, naives Vertrauen auf die Güte derer aus, die die wirtschaftliche Macht in Händen halten, wie auch auf die vergötterten Mechanismen des herrschenden Wirtschaftssystems. Inzwischen warten die Ausgeschlossenen weiter.“

In Deutschland hören wir meist das Wort Angebotstheorie statt Trickle-Down. Nur ganz wenige sagen dazu Pferdeäpfeltheorie. Dass sie nicht stimmen kann, beweisen Tatsachen. Franziskus weiß, wovon er spricht, das zeigt er im Hinweis auf eine einflussreiche Theorie. Die deftigen moralischen Appelle des Papstes an Politik und Wissenschaft sind wichtig. Aber dabei bleibt er nicht stehen. Er kritisiert eine einflussreiche Theorie. Ebenso wie ein deutscher, international wichtiger Volkswirt, Heiner Flassbeck: „Wer nicht glasklar sagt, dass Steuersenkungen für Unternehmen nichts als Umverteilung zugunsten der Reichen sind und der Wirtschaftsentwicklung eindeutig schaden und dass Lohnsenkungen (oder die berühmte Lohnflexibilität) niemals Arbeitsplätze schaffen können, der kann sich seine Gerechtigkeitsappelle gleich sparen, weil er damit gegen die geschickte Strategie der Wirtschaftslobby („Arbeitsplätze für alle“; „sozial ist, was Arbeit schafft“) niemals durchdringen wird.“ 

Es geht für uns als KAB also darum, die Katholische Soziallehre und die Befreiungstheologie zu erden und mit den eigenen Einsichten zusammenzubringen.

Auf einer Weihnachtskarte stand: Mensch, mach´s  wie Gott, werde Mensch.
Das feiern wir an Weihnachten. Das strahlt Franziskus aus.

Dr. Siegfried Ecker, 11.12.2013

Link: www.flassbeck-economics.de/wir-haben-eine-massive-investitionsluecke-korrekt-und-dreist-zugleich/